Ian McEwan – Maschinen wie ich (und Menschen wie ihr)

Ian McEwan – Maschinen wie ich (und Menschen wie ihr)
Titelbild des Romans „Maschinen wie ich (und Menschen wie ihr)“ von Ian McEwan.

Für diesen Roman erschafft Ian McEwan eine alternative Zeitlinie. In dieser wird der geniale Mathematiker und Computerpionier Alan Turing (Porträt des DLF) nicht auf menschenunwürdige Weise misshandelt. Stattdessen widmet er sich bis ins hohe Alter der künstlichen Intelligenz und dem maschinellem Lernen.

So gibt es bereits Anfang der 1980er Jahre eine Welt, die technologisch viel Fortschrittlicher ist, als unsere in 2020. Das Ergebnis ist eine Kleinserie menschenähnlicher Androiden – je nach Geschlecht Adam und Eve genannt. Charlie Friend, die Hauptfigur des Romans und Fan moderner Technologie, kauft sich einen Adam.

Gemeinsam mit seiner Nachbarin Miranda prägt Charlie die Grundzüge des Charakters seines Androiden. In der Folgezeit beobachten beide Adams Entwicklung.

Die Menschheit unterschätzt sich

Die Entscheidungen Adams, die auf Logik und Erfahrungen der Menschheit basieren, sorgen immer wieder für Konflikte zwischem ihm und seinem „Besitzer“. Ist eine Maschine überhaupt noch Eigentum, wenn sie selbstständig Denken kann? Adam: „Eine Sorge ist, dass es für euch ein Schock und eine Beleidung sein könnte, mit Geschöpfen zu leben, die cleverer sind. Dabei kennt doch auch jetzt fast jeder jemanden, der cleverer ist als er selbst. Außerdem unterschätzt ihr euch.“

McEwan geht solche und weitere Frage an, ohne sie dem Leser plumb zu stellen. Sie sind eingewoben in spannend erzählte Dialoge zwischen Adam und seinen Gefährten Miranda und Charlie. Um seinen Romanfiguren Stoff für Gespräche und Diskussionen zu geben skizziert der Autor mit vielen Details das alternative England der frühen 1980er Jahre.

Zusammenleben von Mensch und Maschine

Subtil konfrontiert McEwan den Leser mit mehreren Perspektiven des Zusammenlebens von Mensch und Maschine. Denn was uns menschlich macht ist ja gerade die Unvollkommenheit und Unvernunft.

McEwan schafft mit seiner Sprache eine Welt, in die sich der Leser sehr gut vertiefen kann ohne zu erahnen, was auf ihn zukommt. Das schafft Spannung selbst bei den alltäglichsten Tätigkeiten der Protagonisten. Selten war ich so vertieft in einem Buch.

Großer Lesegenuss

Leider schafft McEwan keinen perfekten Ausstieg aus der Geschichte. Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau – 400 der 404 Seiten sind ein großer Lesegenuss!

Das Buch ist im Jahr 2019 im Diogenes Verlag erschienen. Das Hardcover hat 404 Seiten. Mein Exemplar habe ich in Hermkes Romanboutique gekauft.

 

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